Klimaschutz
Klimawandel und Torfabbau
Nach einer Studie des Niedersächsischen Landesamtes für Bergbau, Energie und Geologie aus dem Jahre 2007 setzen Moore bundesweit ca. 7,8 Mio. t CO2-C Äquivalente pro Jahr frei. Dieses entspricht 2,8 % der gesamten CO2-Emissionen Deutschlands nach dem nationalen Treibhausinventarbericht 2006. Von den moorspezifischen CO2-Emissionen sind 85% auf die land- und forstwirtschaftliche Nutzung zurückzuführen. Der im Zusammenhang mit der Klimadiskussion immer wieder angeprangerte industrielle Torfabbau für gärtnerische Nutzung trägt mit 0,18% zu den gesamten CO2-Emissionen der Bundesrepublik bei. Zum Vergleich: alleine die Kondensstreifen von hochfliegenden Flugzeugen tragen mit ca. 2 bis 3 % zum gesamten anthropogenen Treibhauseffekt bei.
Eine Versachlichung der Diskussion ist dringend geboten.
Generell lässt sich feststellen, dass Moore sobald sie entwässert werden, CO2 abgeben.
Moore bestehen aus abgestorbenem organischem Material. Dieses organische Material (Pflanzen, z.B. Torfmoose) nimmt während seines Wachstums CO2 auf und produziert Sauerstoff. Natürliche Moore, d.h. noch wachsende Moore, akkumulieren auf diese Weise 250 bis 350 kg Kohlenstoff pro Hektar im Jahr.
Sterben Pflanzen ab, werden sie zersetzt und das gebundene CO2 wird wieder freigesetzt. Die Besonderheit eines „lebenden“ Moores besteht nun darin, dass das organische Material darin zwar abgestorben ist, es zersetzt sich aber nicht, da es „unter Wasser“ steht und keine Reaktion mit Sauerstoff stattfinden kann.
Erst wenn ein Moor trocken fällt, zersetzt sich auch dieses organische Material und setzt damit zwangsläufig das CO2 frei, das es vor vielen Jahren im Rahmen des Wachstums gebunden hat.
Trockengelegte Moorflächen wie z.B. Grünlandstandorte auf Niedermoor setzen pro Jahr und Hektar ca. 5.600 kg Kohlenstoff frei, auf Hochmoorstandorten ca. 3.900 kg. Ackernutzung verstärkt die Oxidation des Torfes (“Mineralisation“).
Da der Torfabbau nur auf bereits trockengelegte, zuvor überwiegend landwirtschaftlich genutzte Flächen zurückgreift, findet auf diesen Flächen also bereits im Vorfeld des Abbaus eine Torfzersetzung und damit die Freisetzung von klimarelevanten Gasen statt.
Der Torfabbau beansprucht jährlich im Allgemeinen eine höhere Mächtigkeit des Torfes als die landwirtschaftliche Nutzung. Setzt man die jährliche Abbaumenge der deutschen Torfindustrie (ca. 7 Mio m³) ins Verhältnis zu den in Anspruch genommenen Abbauflächen (rund 25.000 ha), so ergibt sich ein jährlicher Abtrag von rund 2,8 cm. Die Angaben für die Oxidationsrate bei landwirtschaftlicher Nutzung schwanken zwischen 0,8 cm für extensives Feuchtgrünland (F+E Vorhaben Schäferhof /Dümmer, LBEG) bis zu mehreren Zentimetern unter intensiver Ackernutzung.
Das CO2-Potential der Torflagerstätte wird also während des Zeitraums des Torfabbaus im Vergleich zur landwirtschaftlichen Vornutzung im Prinzip schneller freigesetzt. Dabei ist allerdings zu bedenken, dass bei abgebautem Torf nicht das gesamte CO2-Potential auf einen Schlag freigesetzt wird. Die Freisetzung des CO2 erfolgt nicht durch den Abbau sondern im Rahmen der nachfolgenden Verwendungen des Torfs, wie insbesondere im Gartenbau. Es kann davon ausgegangen werden, dass der Torf erst 10 Jahren nach Gewinnung weitgehend zersetzt ist.
Soll eine Gesamtklimabilanz gezogen werden, ist auch die Folgenutzung des Moores nach dem Torfabbau mit einzubeziehen. Die Abbauflächen gehen heute nach einer durchschnittlichen Abbauzeit von 15 bis 20 Jahren in die Wiedervernässung. Dadurch wird die CO2– Freisetzung des Moorstandortes nachhaltig gestoppt. Nach einigen Jahren wird mit dem Einsetzen des Moorwachstums und der Akkumulation von organischer Masse unter Sauerstoffabschluss wieder Kohlenstoff gebunden. Wiedervernässte Flächen in der Esterweger Dose zeigen nach 10 Jahren bereits ein flächendeckendes Torfmooswachstum.
Ein in der Diskussion oftmals vernachlässigter Aspekt des Zusammenhangs zwischen Mooren und Klimaschutz ist das Freisetzen von Methan (CH4), das in seiner klimarelevanten Wirkung etwa 21fach höher anzusetzen ist als CO2. Wachsende, z. B. wiedervernässte Moore sind zwar CO2 – Senken - im Durchschnitt nehmen natürliche Hochmoore pro Jahr und Hektar 275 kg Kohlenstoff auf - sie setzen dabei jedoch CH4 frei und heben somit einen Teil der “positiven“ Klimawirkung der CO2 –Bindung wieder auf. Mit durchschnittlich 62 kg Methan pro Jahr und Hektar ist dieser Aspekt im Rahmen einer seriösen Klimadiskussion äußerst relevant. Zahlreiche Forschungsvorhaben beschäftigen sich – auch mit Unterstützung der Torfindustrie – mit der Gesamtthematik.
Trotzdem sich durch den Methanausstoß der positive Klimaeffekt der Wiedervernässung nahezu aufhebt, kann die Torfindustrie damit einen Beitrag leisten, der zwar angesichts der aufgezeigten tatsächlichen Klimarelevanz der Moore gering ist, aber im Hinblick auf die zahlreichen Forschungs- und Entwicklungsvorhaben auf diesem Gebiet für die Zukunft weitere Möglichkeiten eröffnet.
In der ganzen Diskussion sollte zudem ein Aspekt nicht vergessen werden: Torf bildet eine wichtige Grundlage für die Anzucht und Vermehrung von Pflanzen. Torf sorgt damit für das Wachstum der natürlichen „CO2 –Speicher“.
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